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11.
Kunsttage Dreieich
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energieRaum
Name:
Johannes Birringer
Wohnort: Columbus, USA
Titel der Arbeit:
"Irregeleitete Anatomie"
Digitale
Video-Projektion , Raumtanz mit Stimme
von Johannes Birringer, mit Angel Blasco
(Barcelona)
Rauminstallation. 3x3x3m geschlossener,
dunkler Raum (geometrische Version), mit
1,50 m hohem Eingang (mit schwarzem Tuch
verhängt) auf einer Seite. Ein zweites Design
für die Installation ist als biomorphe Architekturform
entworfen.
Im Innenraum Video-Projekion auf die Raumdecke
von unten/seitlich. Schwebendes Bild, das
am Boden reflektiert wird. Der dunkle Boden
, 3x3 Meter, ist mit Plexiglass oder Spiegel
ausgelegt. Der Film ist ein etwa 7-minütiger
Loop, der sich unbegrenzt wiederholen wird.
Technische Bedingungen: Video Projektor,
laptop, Computer-Lautsprecher mit Amplifier,
Verbindungskabel, elektrisches Kabel.
Raumskizzen:
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I.
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II.
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Konzeptbeschreibung
1. Raumenergie
Wieviel Raum ist notwendig, um Bewegung,
kinetische Energie als Denkform über Körper
im Raum, in ihren Veränderungen und Stoffwechseln
erfahrbar zu machen? Dieser Frage geht die
Installation nach, und die Frage ist gleichzeitig
eine Untersuchung der Wirbelsäule gegen
die Evolution einer zerebralen Anatomie.
Der Tanz auf dem Stein wird zu Stein.
Der Stein ist die der Bewegung unterliegende
Materie und Gravitationssphäre.
Kinetographie ist die Beschreibung der Bewegung,
die in diesem Fall auf den Mittelpunkt des
Steins fixiert zu sein scheint. Der Aggregatzustand
des Tanzes ist flüssig, wobei die Energie
des Tanzes immer einen pas de deux mit Raum
und Materie beschreibt.
2. Flüssige Energie
Materie besteht aus Atomen, die sich gegeneinander
frei, wie bei Gasen, oder an gewisse Gleichgewichtszustände
gebunden (flüssige und feste Körper) bewegen.
Zwischen den einzelnen Atomen sind im Vergleich
zu ihrer Grösse sehr grosse Zwischenräume
vorhanden, so dass also die Struktur selbst
der äusserlich dichtesten Materie eine ausserordentlich
offene, löcherige, ist. Unser Stein kann
also ebenfalls als eine offene, bewegliche
Materie gesehen werden. Er scheint zu schweben.
Wie der Körper des Tänzers bringt er Raum
mit sich. Der Austausch der Energien vollzieht
sich hinsichtlich der imaginären Gleichgewichtszustände,
und der tatsächlichen Dreh- und Schwingpunkte.
Tanzbewegung wird flüssige Energie wenn
sie sich auf keine Mittelpunkte mehr berufen
kann, die stabilisierend wirken können,
sondern immer in einer Tendenz zum Fallen,
zum Horizontalen, zum Sturz in Löcher, begriffen
ist.
Die Physik beschreibt, dass Stoffe je nach
Temperatur fest, flüssig, gasförmig oder
als Plasma vorliegen können. Man bezeichnet
diese unterschiedlichen Zustände der Materie
als Aggregatzustände. Die Änderung von Aggregatzuständen
findet jeweils bei stoffspezifischen Temperaturen
statt. Die Verdichtung der Materie erfolgt
aufgrund von Wechselwirkungen zwischen den
Materieteilchen, den sogenannten interatomaren
oder intermolekularen Wechselwirkungen.
Die Verdichtung bzw. Verflüssigung, die
hier ausprobiert wird, entsteht in der Wechselwirkung
zwischen warmem Körper und kaltem Stein,
oder kaltem Körper und warmem Stein. Die
Materien haben etwas unwahrnehmbares Wirkliches.
Sie sind keiner Idee verpflichtet.
3. Raumfluss
Kinetische Energie bringt auch verdichtete
Räume zum Fliessen. Eine Bühne zum Beispiel
ist kein fester Ort sondern flüssige Architektur
eines transformierbaren, unsteten Raumes
der Imagination. Der Tanz auf dem Stein
wird zum Fluss, zum Tanz im Stein: dem Tänzer
stellt sich ein Raum gegenüber, den er seinerseits
wiederum als Körper mitbringt und in Bewegung
setzt. Dadurch wird Raum verdrängt. Dem
Körper des Tänzers ist eine Kinesphäre mitgegeben,
die sich immer in Entwicklung von Bewegung
und Energie befindet und nie stabil ist.
Tanz ist immer Impuls, und die Impulse sind
immer destabilisierend, also entsteht auch
nie ein fester Raum, sondern Bewegung fliesst
wie ein Vexierspiel: es ist immer im Verschwinden
begriffen. Kinetische Energie ist auflösend.
4. Anatomie
Die vertikale Ausrichtung des Tanzes beschreibt
einen Fehler. Die Wirbelsäule geht nicht
vom Gehirn als Schaltzentrale aus, sie mündet
auch nicht im Zerebralen oder Geistigen,
sondern muss als Anatomie des Fliessenden
neu verstanden werden. Denn das Mentale
hat den Körper und seine Bewegungen immer
schon abgesondert, um Kavernen des Verstehens
und der Offenbarung zu schaffen. Fliessende
Bewegung ist kein mentaler Prozess, sondern
ein phasischer, energetischer.
Kinetische Energie als Denkform über Körper
im Raum ist ephemer, sie kann nur als "Übergänge"
erfahren werden, d.h. auch als Bruch mit
der zeitlichen Ordnung, als Schnitt. Eigentlich
ist der Körper reizbar und unbeirrbar, aber
er kann nicht gedacht werden. Im Fliessenden
liegt zugleich auch das Automatische, das
Trancehafte der Bewegung. Die zu Stein werdende
Bewegung ist nur eine Schnittstelle, die
bereits neue Phasen andeutet. Diese Energie
mündet nicht in die Schöpfung einer Sprache,
da sie keine Verbindung mit der Sprache,
die man die menschliche nennt, mehr hat.
Bilder / Schnittstellen des Tanzes:
Biographie:
Johannes Birringer, seit 1980 in den USA
lebend, arbeitet als freier Regisseur/Choreograph
und Videokünstler an der Entwicklung neuer
digitaler Tanzinstallationen. International
bekannt wurde er durch seine 1992 entstandene
Experimental-Oper "Orpheus und Eurydike,"
die in Chicago Premiere hatte. Zusammen
mit Imma Sarries-Zgonc choreographierte
er das Tanz-Film-Stück "AlienNation" (1993),
das zur Gründung der AlienNation Compagnie
führte. Er ist Autor von zahlreichen Videos
und Publikationen; 1991 erschien sein Buch
"Theatre, Theory, Postmodernism"; zwei weitere
Bücher, "Media and Performance" und "Performance
on the Edge, "erschienen 1998 und 2000 .
Der in Kuba gedrehte lyrische Spielfilm
"La lógica que se cumple" wurde im Dezember
1996 auf dem Internationalen Filmfestival
in Havana, und im April 1997 auf dem Chicago
Latino Film Festival uraufgeführt. Zusammen
mit Angeles Romero stellte er "fishgarden"
beim Vogelfrei Festival 1999 in Darmstadt
aus. Die Zusammenarbeit mit dem spanischen
Tänzer Angel Blasco began im Sommer 2000
während des Workshops "Körper - Computer
- Interaktion" am Festpielhaus Hellerau,
Dresden. Blasco arbeitet freiberuflich und
als Tänzer im Chemnitzer Ballet.
Das Ensemble der AlienNation Co. (Houston/Columbus)
gastierte zum ersten Mal während des "Grenzland"-Festivals
an der Oder in Deutschland (1994); weitere
Gastspiele folgten in Dresden, Dänemark,
Holland, Finnland, Canada, USA, Cuba, und
mit der "Vespucci"-Filminstallation zuletzt
in Brasilien (2001). 1999 wurde Birringer
zum Leiter des Tanz-Technologie Studiengangs
an der Ohio State University ernannt. Seit
1996 bietet er internationale Workshops
in Performance-Technologien an; Zielsetzung
der Arbeit ist die Erforschung neuer Stufen
der Integration von Tanztheater, Raum- und
Körper-Choreographie, und digitaler Kunst
in real-virtuellen Räumen mit einer intensiven
Einbeziehung des Publikums, und u.U. von
Netzteilnehmern, in das Erlebnis.
Eine bildhafte Dokumentation über alle Aufführungen
und Projekte kann auf der Website der AlienNation
Co. eingesehen werden: www.aliennationcompany.com
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Bürgerhäuser Dreieich
Fichtestraße 50 - 63303 Dreieich, Telefon 0
61 03 / 60 00-0
Fax 0 61 03 / 60 00-77, e-Mail: buergerhaus@buergerhaeuser-dreieich.de
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